Haus ohne Fenster
Das «Glashaus» tut seinem Namen alle Ehre: Es ist mit über 28.000 Glasziegeln verkleidet. Aber nicht nur sein Dach, sondern die ganze Fassade. Obwohl es keine Fenster gibt, ist es tagsüber im Innern sehr hell und die tragende Holzstruktur kommt besonders gut zur Geltung. Dieser ungewöhnliche Neubau steht in der Altstadt von Reutlingen (D), das zwischen Stuttgart und dem Bodensee liegt.
Seit 1972 gab es an dieser Stelle eine Baulücke, das ursprünglich hier stehende Haus wurde abgerissen, weil es als baufällig galt. Ohne diese Stütze gerieten die Nachbarhäuser in den folgenden Jahrzehnten in eine immer bedrohlichere Schieflage. Nach jahrelanger Planung und einem Architektenwettbewerb entstand schliesslich das Konzept für den Glasneubau, der genau den Konturen des ursprünglichen Hauses entspricht.
Die Holzkonstruktion im Innern des neuen Glashauses muss also die benachbarten historischen Gebäude stabilisieren. Denn seine ungewöhnliche Hülle stützt natürlich nicht. Sie übernimmt auch keine thermische Funktion. Jeder Ziegel der Biberschwanzeindeckung lässt sich einzeln austauschen. Sie sind durch Abstandshalter aus Eichenholz gesichert und im Inneren mit Splitterschutzlack versehen.
Das Glashaus in einer historischen Häuserzeile Reutlingens soll künftig als Veranstaltungs- und Begegnungsort dienen. Konzerte, Lesungen und Ausstellungen sind geplant. Zusätzlich beherbergt das Gebäude ein Museumsforum, das die Geschichte der Fachwerkhäuserzeile und ihrer Bewohner erzählt.

