Bäume wachsen weniger
Durch die Klimaerwärmung beginnt das Stammwachstum heute um mehrere Tage früher als noch vor zehn Jahren. Trotzdem nimmt das Wachstum der häufigsten Schweizer Baumarten ab. Dies zeigt eine TreeNet-Studie unter der Leitung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL . Sie wertete das Wachstum von fünf der häufigsten Baumarten an 48 Standorten in der Schweiz aus. Verglichen wurde der Zeitraum von 2012 bis 2022.
Ausgeprägt bei Tanne, Buche und Fichte
Über die letzten elf Jahre schob sich die Vegetationsperiode um mehrere Tage nach vorne. Der frühere Saisonstart führt aber nicht zu mehr Wachstum – im Gegenteil. Zwischen 2012 und 2022 ging das jährliche Stammwachstum in vielen Wäldern zurück. Der Rückgang ist bei Weisstannen, Buchen und Fichten besonders ausgeprägt, Eichen und Föhren wuchsen gleich gut. Aber keine der untersuchten Baumarten profitierte vom wärmeren Klima.
Trockenheit bremst
Die Studie liefert auch den Grund für diesen Effekt: Bäume wachsen, wenn genügend Wasser verfügbar ist. Ist es zu heiss und zu trocken, wird mehr Wasser verdunstet, als über die Wurzeln aufgenommen werden kann – der Baum gerät unter Stress und das Wachstum stoppt. Pro Jahr bleiben somit je nach Baumart und Witterung nur 40 bis 110 Wachstumstage übrig.
Wenige Tage entscheiden
«Am Schluss entscheiden einzelne Tage und Stunden, wieviel ein Baum wächst», erläutert Arun K. Bose von der WSL, «fallen einige durch vermehrte Hitze- und Trockenperioden weg, fehlt ein grosser Teil des jährlichen Stammzuwachses.» Ein früherer Start nützt somit wenig, wenn Hitze und Trockenheit die kritischen Wachstumsphasen verkürzen.
Waldwirtschaft betroffen
Diese Veränderungen betreffen die Waldwirtschaft sehr direkt. Werden die Sommerhalbjahre wärmer und trockener, können Forstbetriebe tendenziell weniger Holz ernten. Zudem muss die Bewirtschaftung den klimatischen Veränderungen angepasst werden. Wie Bäume auf den Klimawandel reagieren, hängt sowohl vom Standort als auch der Art ab.

