Schreinerei forscht mit
Die von Pilzen gezeichneten Muster ziehen sich durch die ganze Werkstückdicke. Bild: Empa



Marmorholz vereint Gegensätze: Einheimisch und exklusiv, natürlich und doch Hightech. Das besondere Holz zeichnet sich durch ein Muster aus feinen schwarzen Linien aus, die es einem Pilz verdankt. Was früher ein seltener Zufallsfund im Wald war, ist heute ein standardisiertes Herstellungsverfahren – dank der Zusammenarbeit der Schreinerei Koster AG Holzwelten aus Arnegg SG und der Empa.
Mehrwöchiger Prozess
Gemeinsam forschten die Koster AG und die Empa am standardisierten, skalierbaren Verfahren zur Herstellung von Marmorholz. Bis zu zweieinhalb Meter lange Bretter werden in einer Vakuumkammer auf die korrekte Feuchtigkeit gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. Danach folgen mehrere Wochen in einer Klimakammer, wo die Verzierungen im Holz entstehen. Anschliessend werden die Bretter getrocknet und der Pilz stirbt ab.
Für dekorative Anwendungen
Marmorholz lässt sich aus mehreren Laubholzarten herstellen wie Ahorn, Buche, Esche, Linde und Pappel. Mit seinen tanzenden Linien eignet es sich besonders für dekorative Anwendungen, etwa für Möbel, Innenausbau, Musikinstrumente und sogar Schmuck. Die Anfragen häufen sich bereits, verrät Jakob Koster. Er hat die Geschäftsleitung an seinen Sohn abgegeben und widmet sich ganz dem Verkauf und der Innovation.
Sterilisation als Herausforderung
Pilze kontrolliert zu kultivieren, ist sehr anspruchsvoll. Die Bedingungen, die der Melanin-produzierende Schlauchpilz zum Wachsen braucht, sind auch für viele andere Pilze ideal, und Pilzsporen gibt es überall. Die Sterilität war eine grosse Herausforderung. Und das ganze Verfahren erfordert kostspielige Geräte etwa Autoklaven zur Sterilisation oder Vakuumkammern zur Holzbefeuchtung.
Eigenes Labor aufgebaut
Bei der Beschaffung hatte die Koster AG Holzwelten auch Glück. Einen grossen Teil der Klimakammern konnte das Unternehmen von einem ehemaligen Speisepilzzüchter übernehmen. Und die Laborausrüstung kam von der ETH Zürich, von der die Firma mit einem Umbau beauftragt wurde. Francis Schwarze von der Empa zeigt sich beeindruckt von seinem Projektpartner: «Es ist nicht selbstverständlich, dass ein KMU sich so viel Wissen aneignet und ein eigenes Labor aufbaut».

