FachInfo

Direkt verkauft

 

Der Hausgerätehersteller Miele wurde Opfer eines kriminellen Familienclans. Dieser nutzte gezielt aus, dass Miele-Servicetechniker bei Kundenterminen Neugeräte verkaufen durften. Diese wurden direkt geliefert und die Kunden hatten sie innert vier Wochen zu bezahlen. Zur Zeit des Betruges überprüfte Miele in Deutschland offenbar die Identität und die Bonität der Besteller nicht ausreichend.

Familiensache

Diese Nachlässigkeit machten sich die Clan-Mitglieder zunutze. Einer bestellte mehrere Geräte, gab aber nicht den eigenen Namen an, sondern den einer Verwandten. Als die Rechnung nicht bezahlt wurde, stellte Miele offenbar Nachforschungen an. Doch beim Eintreiben des Geldes gab es Probleme, da der Mann als Empfänger der Ware nicht der Besteller war.

Weiterverkauft

Die Masche war erfolgreich: Insgesamt bestellte die Grossfamilie bei Miele-Technikern innert sieben Wochen etwa 100 Hausgeräte, ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Geliefert wurde aus der ganzen Produktpalette im Wert von mehr als 200.000 Euro. Der Clan verkaufte die Geräte originalverpackt an Händler weiter, in der Regel für die Hälfte des Preises. Weil die Täter den Händlern Originalrechnungen vorlegen konnten und Miele nachfragenden Händlern den regulären Verkauf bestätigte, wurde niemand misstrauisch.

Geständig

Erst als Miele in Bielefeld (D) Strafanzeige einreichte, flogen die Täter auf. Ein Teil der Angeklagten ist geständig. Gegen die Servicetechniker, welche die vielen Bestellungen angenommen haben, wird nicht ermittelt, sie müssen aber auf ihre Provisionen verzichten. Auch gegen die involvierten Händler läuft kein Verfahren.

Miele hat die Schwachstelle im Verkaufssystem erkannt und Sicherheitsvorkehrungen eingebaut, damit sich solche Fälle nicht wiederholen können.