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Fach-Info

2000 Eichen für einen Bau

Eine von 1000: Die über 20 m langen Eichen befinden sich jetzt in den Sägewerken. 

Für den Wiederaufbau der vor zweieinhalb Jahren bei einem Brand schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame sind total 2000 Eichenstämme nötig. Nun haben 45 in ganz Frankreich verteilte Sägewerke begonnen, die ersten 1000 der über 20 m langen Riesen einzuschneiden. Das Holz soll noch trocknen können, bevor es 2023 auf dem Dach des weltberühmten Monuments aufgerichtet werden kann.

 

In Frankreich gab es zuerst Ideen, Notre-Dame «zeitgenössisch» wieder aufzubauen, etwa mit integriertem Biotop oder mit einem Schwimmbad auf dem Kathedralendach. Seit aber Präsident Macron im Juli 2020 bekanntgab, Notre-Dame werde im historischen Stil rekonstruiert, begannen Diskussionen um das Material der Dachkonstruktion. Ursprünglich waren uralte Mooreichen verbaut, die heute schlicht nicht mehr vorhanden sind.

Alternative zu den Mooreichen

Ein Unternehmen bot zum Beispiel im Wasser konservierte Stämme aus einem afrikanischen See an. Inzwischen wurde aber entschieden, in allen Regionen Frankreichs passende Eichen zu fällen. Sie werden jetzt dezentral in den 45 Sägewerken geschnitten. In einem zweiten Schritt sollen weitere 1000 Bäume geerntet werden. 

Widerstand gegen die Holzernte

Das passt aber in Frankreich – wo es kaum eine Holzbautradition gibt – nicht allen. Mehr als 42 000 Petitionäre wollten das Fällen der Eichen verhindern. Das sei in der heutigen Zeit ein «Ökozid». Sie fordern für die Notre-Dame eine «verantwortungsvollere, weniger schädliche Ingenieurtechnik». Eine Alternative nennen sie jedoch nicht. 

Für die grosse Mehrheit der Bevölkerung geht aber die Kathedrale vor. Und die gefällten Bäume bilden laut nationalem Forstamt nur 0,1% der jährlichen Eichenernte.

Das Original überdauerte 800 Jahre

Allerdings kann das jetzt eingeschnittene Eichenholz nur 12 bis 18 Monate trocknen. Denn Notre-Dame soll im April 2024 wieder eröffnet werden, rechtzeitig vor den Olympischen Spielen in Paris. Die zuständigen Holzfachleute sehen da kein Problem. Vor 800 Jahren, als der Original-Dachstuhl errichtet wurde, habe man auch grünes Holz verbaut. (hw)