Die verschobene Kirche

In der schwedischen
Stadt Kiruna wurde die 113 Jahre alte Holzkirche in einem Stück um fünf
Kilometer verschoben. Das 35 m hohe und 40 m breite Gotteshaus wiegt rund 672 t.
Die Fahrt mit einer Geschwindigkeit von maximal 500 m pro Stunde dauerte zwei
Tage. Für den Transport mussten Strassen auf 24 m verbreitert, Laternen und
Ampeln entfernt und sogar eine Brücke abgetragen werden.
Im Inneren der Kirche galt
es, Kunstwerke und die 1000 Orgelpfeifen mit Metallgerüsten zu sichern.
Besonders wertvoll ist das Altarbild, das man für den Transport nicht ausbauen
konnte. Das ganze Gebäude wurde zunächst um 130 cm angehoben und auf
Stahlträger gestellt. Zwei Schwerlastplattformen mit 28 gesteuerten Achsen sorgten
für den Antrieb.
Ein speziell
entwickeltes Überwachungssystem stellte sicher, dass die schwere Konstruktion
während des gesamten Transports stabil blieb und die maximal zulässige Neigung
von 7,5 cm nicht überschritt. Am Ziel angekommen, senkten die
Plattformtransporter die Konstruktion präzis auf ihr neues Betonfundament. In
den kommenden Tagen soll auch der 90 t schwere Glockenturm seiner Kirche an den
neuen Standort folgen.
Das Verschieben der
Kirche ist Teil eines grossangelegten Projektes: Da Kiruna infolge des
jahrzehntelangen Eisenerzabbaus von Bodensenkungen bedroht ist, muss der alte
Stadtkern Schritt für Schritt verlagert werden. Viele Gebäude wurden bereits
abgerissen und neu gebaut. Die Gesamtkosten für die Umsiedlung der Stadt werden
auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Da fallen 44 Millionen Euro für das
Kirchenverschieben wenig ins Gewicht.