High-Tech für 500jähriges Holz
Nicht nur die Form des gedruckten Teils muss passen, sondern auch Farbe und Materialstruktur.




Um Schäden an historisch wertvollem Holz zu beheben, war es bisher unumgänglich, die Fehlstellen mit Werkzeugen zu bearbeiten, um ein Ersatzstück einzupassen. Es musste also jeweils historische Substanz zerstört werden. Eine in Österreich entwickelte neue Technologie erlaubt es jetzt, beschädigte Stellen zerstörungsfrei zu restaurieren.
500 Jahre alte Vertäfelung
Die berühmten Fürstenzimmer der Salzburger Festung gelten als weltweit einzigartiges Ensemble der Spätgotik. Aufwändige Restaurierungsarbeiten zeigten Fehlstellen in der Vertäfelung aus Arvenholz, die mit den bisher bekannten Verfahren nicht beheben liessen. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt löste die Herausforderung mit viel High-Tech.
Einfache Idee, schwierige Umsetzung
Die Fehlstelle wird zuerst mit einem mobilen 3D-Scanner präzis erfasst. Aus den gewonnenen Daten lassen sich anschliessend Programme für den 3D-Druck erzeugen, so dass der fehlende Teil passgenau hergestellt werden kann. Diese Grundidee war sehr anspruchsvoll umzusetzen. Wie genau lassen sich komplizierte Bruchstellen scannen und wie druckt man die asymmetrischen Teile präzis genug?
Passendes Material
Auch das passende Material für den Druck musste zuerst entwickelt werden. Eine Mischung aus heimischen Nadelhölzern stellte sich als geeignet heraus. Natürliche Füllstoffe, eingebettet in einen Biokunststoff als Bindemittel, sorgen für die nötige Stabilität der Inlays und passen sich farblich gut an das alte Holz an. Dieser thermoplastische Kunststoff wird mittels extrusionsbasiertem 3D-Druck schichtweise aufgeschmolzen.
Arve dunkelt nicht mehr nach
Die letzten Nacharbeiten werden von Hand ausgeführt. Es geht darum, dem Holzcharakter noch näher zu kommen und um farbliche Anpassungen des eingesetzten Teils. Wie er später aussehen wird, ist jedoch nicht restlos klar: Das mehr als 500 Jahre alte Arvenholz wird gemäss den Fachleuten in Zukunft nicht mehr weiter nachdunkeln. Hingegen fehlt beim eingesetzten Material die Erfahrung, wie sich sein Alterungsprozess entwickeln wird.

